Erinnerungsorte jüdischen Lebens in Vreden
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Thea Reis (geb. Herz)

2. August 1910 in Vreden – 21. Dezember 2009 in Chicago, USA

Thea Herz ist die Tochter von Isidor und Klara Herz. Sie wurde am 2. August 1910 in Vreden geboren und blieb das einzige Kind ihrer Eltern. Vom 31. März bis zum 2. April 1928 war sie vorübergehend in Krefeld als Volontärin tätig. Am 1. Januar 1936 trat sie als persönlich haftende Gesellschafterin in das Manufakturwarengeschäft ihres Vaters ein, die Firma Leffmann Herz in Vreden.

Ihre Erinnerungen an die Reichspogromnacht zeichnete sie 1983 auf und berichtet in ihnen von der Zerstörung ihres Hauses und von vergeblichen Versuchen, in der Nachbarschaft Hilfe zu finden: „Niemand rührte sich, vielleicht auf Befehl, vielleicht aus eigener Angst. Entsetzt rannte ich zurück, als plötzlich ein SA-Mann mit einem Beil vor mir stand und rief: ‚Wir schlagen euch tot‘“. In der Pogromnacht wurde Thea zusammen mit anderen Vredener Jüdinnen im Stall des Krankenhauses inhaftiert, wo sie die Zeit „in einer miserablen Ecke auf dem Boden liegend“ verbrachten. Ein damals zwölfjähriger Vredener Zeitzeuge sah durch die Heuluke eines Nachbarhauses zu, wie das Geschäft der Familie Herz von der SA demoliert und die Familie geschlagen wurde. Sein Pflegevater protestierte gegen diese Misshandlungen, wurde jedoch von einem Polizisten zur Seite geführt.

Da Theas Eltern am 13. Dezember 1938 nach Krefeld zogen, folgte Thea ihnen im Februar des folgenden Jahres. Krefelder Unterlagen listen Thea als Hausgehilfin. Kurze Zeit später, am 16. Mai 1939, konnte Thea nach London ausreisen, und zwar mithilfe eines „Domestic Permit“, d.h. sie durfte nur als Dienstmädchen arbeiten. „Ich verliess Deutschland am 16. Mai 1939 mit einem Handkoffer, Fahrkarte von Deutschland nach Holland, Schiffskarte von Holland nach England und 10 Mark in Bargeld.“ In London galt sie jedoch nach Kriegsbeginn als „feindliche Ausländerin“. Im August 1940 wanderte sie in die USA aus, heiratete dort Max Reis, einen Deutschen aus Heilbronn, und lebte ab 1968 verwitwet in Chicago.

„Viele Überlebende können verzeihen, ich kann es nicht. Vergessen kann niemand und in der deutschen Geschichte wird es für immer ein Schandmal sein. Ich hatte hier sehr schwere Jahre.“

Thea Reis (geb. Herz) starb im Alter von 99 Jahren am 21. Dezember 2009 in Chicago, Illinois, USA.

Zeitzeugenbericht von Thea Reis (geb. Herz) vom 15.10.1983